Brunsbüttel, Wasserturm Süd (Sprengung am 20. September 1969)
Brunsbüttelkooger Heimat Montag, 22. September 1969

Er fiel erst nach dem vierten Schuß

„Baufälliger" Wasserturm Süd bewies seine zähe Standfestigkeit

Brunsbüttelkoog. Der erste Sprengschuß knallt um 16.10 Uhr. Der Wasserturm Süd bleibt stehen. 16.53 Uhr: Der zweite Schuß. Der Wasserturm bleibt stehen. 17.17 Uhr: Der dritte Schuß. Der Wasserturm steht weiter und schüttelt sich nicht einmal. 17.28: Der vierte Sprengschuß. Nach einer Sekunde beginnt er von den von Sprengmeister Richard Oelfke als Drehpunkt berechneten Fallschlitzen abzukippen.

Ein Brausen in der Luft. Immer schneller werdend kracht die Ziegelmasse als Ganzes in der ihr bestimmten Richtung zu Boden, um nun in Stücke zu bersten. Das war am Sonnabend (20. September 1969) , und viele Zuschauer hatten sich eingefunden und wurden des langen Wartens nicht überdrüssig.

Dieses Wahrzeichen der Stadt gehört nun der Vergangenheit an. Es sei baufällig, hieß es, und müsse deshalb beseitigt werden. Ganz abgesehen davon, daß der Wasserturm nicht mehr benötigt wurde. Von Baufälligkeit konnte jedoch, wie sich beim Sprengen zeigte, keine Rede sein. fünfeinhalb Kilogramm Ammon-Gelit hatte Richard Oelfke in 18 Sprenglöchern verdämmen lassen. Als der Turm gefallen war, waren 25 Kilogramm verbraucht.

Die Druckwelle des ersten Schusses ging zum großen Teil in einen im Mauerwerk längslaufenden und mit Sand gefüllten Hohlraum. Oelfke: „Der Hohlraum war vorher nicht zu erkennen gewesen." Mit den nächsten Schüssen wurden die beim Eingang sozusagen als Stützpfeiler stehen gebliebenen Mauermassen weggesprengt.

In unmittelbarer Nahe des Geschehens steht ein Haus mit den Wohnungen der Familien Roth und Polack. Als die Bewohner zurückkehren durften, stellten sie erfreut fest, daß nicht eine Fensterscheibe zersprungen war. Nur gestaubt hatte es tüchtig. Der Turm fiel, wie beabsichtigt, in seiner Eingangsrichtung und kam haarscharf neben einem Garagentrakt nieder. Auch die Garagen blieben unbeschädigt; zuvor waren zwei in der Fallrichtung stehende Garagen abmontiert worden. Die Staubwolke hat sich verzogen. Die Sprenggruppe, Vertreter des Gewerbeaufsichtsamtes Itzehoe, des Ordnungsamtes, Feuerwehrmänner und Angehörige des Stadtbauamtes gehen zur Trümmerstätte. Noch steht nicht fest, ob die unter dem Fundament des Turmes verlegte Wasserleitung dicht geblieben ist. Doch als das zuvor abgesperrte Wasser wieder fließt, tritt keine Nässe an die Oberfläche. Glück gehabt, denn andernfalls hätte alsbals mit dem Wegräumen der mächtigen Trümmerbrocken begonnen werden müssen. Übrigens: Die um den Fuß des Wasserturmes gelegten Strohballen hatten den Zweck, den Auswurf zurückzuhalten. Trotzdem flogen Ziegelstücke bis in den Schulhof der Pestalozzischule.

Sprengmeister Oelfke (58) aus Eckernförde betreibt seit 30 Jahren sein Metier. 120 Schornsteine und Kamine und 22 Wassertürme hat er bereite umgelegt. Nur einmal ist eine Scheibe zersprungen, sonst ist nichts passiert

001 /
002 /
003 /
004 /
005 /
006 /
007 /
008 /